home., personal.

(er)nüchternd.

Fad, deppad, blöd, bieder, uncool, dumm, feig, komisch, unlustig, …

Ein kleiner Auszug an Adjektiven, die mir zugeschrieben wurden, als ich Menschen offenbarte: „Danke, i trink nix!“.
Wie jetzt? Nur heute? Bist du mit dem Auto da – also die Fahrerin?
Nein, immer. Ich trinke nie.
Hab’ ich auch noch nie und will ich vielleicht auch nie.

Ja, selbst heute mit meinen 23 Jahren muss ich jedem erklären, mich teilweise sogar rechtfertigen, warum ich keinen Alkohol trinke.

Hattest du schlechte Erfahrungen mit Alkohol?
Hast du einmal zu viel getrunken?

Danke der Nachfrage, aber ich hatte weder schlechte Erfahrungen damit, noch irgendwann einmal zu viel getrunken, denn wie gesagt, ich hab’ noch nie getrunken.  

Aber von vorne:
Damals, mit etwa 15 oder 16, als ich angefangen hab’ fortzugehen, hab’ ich relativ früh für mich festgestellt, dass ich Alkohol nicht mag, aber viel mehr – ihn auch nicht brauch’. Dass sich diese Einstellung nie ändern würde, hab’ ich mir zu dem Zeitpunkt weder vorgenommen, noch gedacht.

Ich fand’ die Überlegung, Alkohol zu brauchen um lustig zu werden, um Spaß zu haben oder sich einfach sinnlos zu betrinken um den Abend zu verbringen immer schon äußerst fragwürdig und geschmeckt hat mir sowieso nie etwas.

Stop! Ich hab’ doch oben gesagt, ich trink’ nie was und hab’ noch nie was getrunken, wie kann ich denn dann sagen, dass es mir nie geschmeckt hat?!?

Ok falsch formuliert! Ich sollte es mal so erklären: alles, was ich probieren wollte, hab’ ich schon mal probiert, mir jedoch nie selbst Alkohol gekauft odermehr als einen Schluck davon getrunken, geschweige denn war ich betrunken. Wahrscheinlich genau weil mir nie etwas geschmeckt hat.

Aber hast du nicht das Gefühl etwas zu verpassen?

Ganz ehrlich: nein! Dieses Gefühl hatte ich wirklich nie. Hätte ich es jemals gehabt, hätte ich es wahrscheinlich anders gehandhabt.
Genauso wie all’ meine Freunde war ich am Wochenende unterwegs, bin im Sommer auf Festivals gefahren, war mit meiner Klasse auf Summersplash und auch sonst bei allen Feiern immer dabei. Und ich war gerne dabei und würd’s immer wieder genauso machen.

Selbst die Maturareise  (wo mir davor immer gesagt wurde, ich würde’ sinnlos Geld rausschmeißen, wenn ich dort’ nichts trinke und ich solle doch lieber zuhause bleiben) war für mich ein perfekter Schulabschluss. Ich wollte eine schöne letzte Woche mit meinen Klassenkollegen verbringen, tanzen, den Sommer genießen, nichts tun, einfach eine schöne Zeit haben. Und die hatte ich.
Ganz ohne Alkohol.

„Na geh kum, ans kaunst doch mit uns mittrinken.“
„Geh sei ned so! Von am wirst scho kan Rausch griagn.“
„Trink doch ans mit uns mit – wenigstens für mi.“
„Zah doch ned so obi, schmeckt da jo vielleicht doch.“

Sätze, die mir heute ziemlich egal sind und über die ich mir absolut keine Gedanken mehr mache, haben mir früher, vor allem in der Zeit von 15 – 18, ziemlich viel Standhaftigkeit abverlangt. Es musste mir egal sein, wenn andere über mich lästerten, mich als dämlich darstellten und immer wieder versuchten, mir etwas unterzujubeln.

Zurückblickend, war es für mich jedoch die beste Entscheidung die ich treffen konnte und um ehrlich zu sein hab’ ich keine Sekunde daran gezweifelt.

Ich weiß für mich, dass ich nie etwas verpasst hab’ und darum geht’s doch schließlich. Es muss für mich passen und nicht für irgendjemand anderen. Es muss egal sein, ob ich laut irgendwelchen Menschen, (von denen mich die meisten wahrscheinlich nicht mal wirklich kennen) meine Jugendzeit verpasst hab’, denn – to be honest: es gibt doch wirklich schlimmeres, als ein Leben ohne Alkohol.  

Was ich an dieser Stelle aber auch unbedingt klarstellen möchte:
Nur weil ich keinen Alkohol trinke, heißt das nicht, dass ich andere dafür verurteile wenn sie’s tun. Es ist jedem selbst überlassen, wann und wie viel er trinken mag. Manche Menschen sollten vielleicht nur ihre Einstellung dazu überdenken.

Sich jedes Wochenende Unmengen an Alkohol reinzuschütten, halb bewusstlos in irgendwelchen Ecken in Discos zu liegen, mit unangebrachtem Verhalten zu glänzen & sich nächsten Tag auf den doch so bösen Alkohol ausreden und dann andere als „deppad und uncool“ zu bezeichnen, weil sie sich gegen diesen Lebenstil entschieden haben, find’ ich persönlich nüchtern betrachtet doch ziemlich ernüchternd. 

mara.

P.S:  Die besten Seiten im „Leben eines Nicht-Trinkers “

  • Auto fahren? Immer, überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit.
  • Kater? Habe ich nur einen – er heißt Fridolin. 
  • Der Tag danach? Wie der Tag davor.
  • Geld sparen? Mineral bestellen!
  • Cool sein? Charakter zeigen.
  • Spaß haben? Die richtigen Menschen finden.

Die schlechten Seiten im „Leben eines Nicht-Trinkers“.

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2 Gedanken zu „(er)nüchternd.“

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